30. September 2009

Zwischen Wilhelmshaven und München: Die Bahn kommt auf den Hund

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Hast du jetzt eigentlich noch Geld für Leckerlis? Foto: Tjaden

Hast du jetzt eigentlich noch Geld für Leckerlis? Foto: Tjaden

von Heinz-Peter Tjaden

6.35 Uhr, die NordWestBahn (NWB) fährt in neun Minuten nach Oldenburg, umsteigen muss ich außerdem in Hannover, mein Fahrziel ist München. In der Bahnhofsbuchhandlung könnte ich mir noch schnell „Das Beste am Morgen“ (Werbeslogan des Lokalblattes) besorgen, doch unter meinem linken Arm klemmt eine richtige Zeitung, an der Leine in meiner rechten Hand zerrt mein Jagdterrier, Mike liebt Zugfahrten.

An die letzte scheint er sich noch zu erinnern. 5. September nach Lüneburg. Auf der Strecke nach Oldenburg verlangt der NWB-Zugbegleiter von mir: „Sie müssen Ihren Hund auf den Schoß nehmen. Sonst müssen Sie für ihn bezahlen.“ In den anderen Nahverkehrszügen wird Mike, der neugierig ein- und aussteigenden Fahrgästen nachschaut, von Zugbegleitern kurz gestreichelt. Weg sind sie wieder.

In der NWB muss ich mich mit einem Klappsitz begnügen, um diese Zeit ist die Bahn rappelvoll. Ein Zugbegleiter quetscht sich zu den Sitzenden, stempelt meine Fahrkarte ab und will die Karte für Mike sehen. Das sagt er so, als habe er soeben einen entsprungenen Häftling erwischt. Ich schildere ihm meine bisherigen Zugerfahrungen. Hund ja, Kosten nein. Diese Zeit nutzt der Zugbegleiter für Eingaben, er tippt, bis wir den nächsten Bahnhof erreicht haben. Heraus kommt ein Zahlungsbeleg für „erhöhtes Beförderungsentgelt“. Dann gibt er mir meinen Pass wieder, ich schaue mir den Beleg genauer an: Prüfhaltestelle Varel, Zielhaltestelle Oldenburg, gezahlter Betrag 0,00 Euro, offener Betrag 46,90 Euro. Für gut 50 Zugkilometer.

In Oldenburg steige ich in den ICE nach Hannover. Der Zugbegleiter entwertet meine Fahrkarte und geht weiter. Den Halt in der niedersächsischen Landeshauptstadt nutze ich für einen Hundespaziergang, ich erreiche den ICE nach München rechtzeitig.

Kurz vor Göttingen baut sich vor mir eine Zugbegleiterin auf, die noch mehr weiß als jeder NWB-Zugbegleiter: „Ihr Hund gehört in einen Käfig. Außerdem muss er einen Maulkorb tragen.“ Derweil arbeitet sie an einer „Fahrpreisnacherhebung“. Ich versuche es wieder mit der Schilderung meiner bisherigen Zugerfahrungen. Hund ja, Kosten nein. Erprobt bei vielen Reisen, bestätigt vom Servicecenter vor meiner ersten Fahrt mit Mike nach Rückfrage mit der hannoverschen Zentrale der Deutschen Bahn.

Die Zugbegleiterin hat ihre Tipperei beendet, heraus kommt: Produkt: ohne Fahrkarte für Hund, Einstiegstelle Hannover, Fahrtziel München, festgestellt vor Göttingen, erhöhter Fahrpreis 40 Euro, Preis Weiterfahrt 55 Euro, noch zu zahlender Betrag 95,00 Euro.

Wenn die Fahrt nach München nicht vom dortigen Amtsgericht angeordnet worden wäre, wäre ich in Göttingen ausgestiegen…

Genauso durcheinander wie Zugbegleiter sind in München die Zeitungen in den Kästen am Stachus. Die eine meldet: „Wiesn gesellig wie noch nie“, die andere „Wiesn brutal wie nie“. Gibt es in der bayerischen Landeshauptstadt neuerdings zwei Oktoberfeste? frage ich mich vorübergehend.

Am nächsten Tag fahre ich zurück. Einer der sieben Zugbegleiter zwischen München und Wilhelmshaven ernennt Mike zum „Bahn-Wachhund“, eine Fahrkarte für meinen Hund verlangt niemand.

Die Bahn kommt – und nun kommen Sie!

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Kategorie Glocal, Media · Autor Heinz-Peter Tjaden · 5 Kommentare


5 Kommentare

  1. Kommentar von Monika Armand
    September 30, 2009 · 6:56 pm

    http://antiteilchen.com/2006/07/08/bahnfahren-mit-hund/

    Dieser Beitrag im Link scheint alles Wissenswerte zum Thema zu enthalten.
    Nächstes Mal gute Fahrt mit “Sporttaschen-Transportbox” ;-) ) …zuhause mal “Hund” dran gewöhnen, können wir nur empfehlen…..

  2. Kommentar von Heinz-Peter Tjaden
    September 30, 2009 · 7:08 pm

    @ Monika Armand

    Ich bin seit Jahren mit Mike per Bahn unterwegs. Zwei von über einem Dutzend Zugbegleitern verlangen Fahrgeld für den Hund? Die anderen nicht? Und einig sind sie sich ja auch nicht. Hund auf den Schoß nehmen, Hund in Käfig, Hund braucht Maulkorb.

    Da ich pünktlich bei Gericht sein musste, konnte ich nicht mal aussteigen.

  3. Pingback von Hundemitnahme in der Deutschen Bahn » Hunde, Thema, Blog, Mitnahme, Sparpreise, Hunden » hundeblog.net
    December 17, 2009 · 6:18 am

    [...] Tjaden hat auf dem Blog Sajonara gerade erst Ende September seinem Ärger darüber Luft gemacht, dass die Mitnahmekonditionen seines Hundes anscheinend weniger von den Beförderungsbedingungen als …. Manche Schaffner streicheln das Tier und ernennen es zum “Bahn-Wachhund”, andere [...]

  4. Pingback von Hundemitnahme in der Deutschen Bahn | Der Hundeblog
    May 9, 2010 · 9:16 pm

    [...] Tjaden hat auf dem Blog Sajonara gerade erst Ende September seinem Ärger darüber Luft gemacht, dass die Mitnahmekonditionen seines Hundes anscheinend weniger von den Beförderungsbedingungen als …. Manche Schaffner streicheln das Tier und ernennen es zum “Bahn-Wachhund”, andere [...]

  5. Kommentar von Heinz-Peter Tjaden
    May 11, 2010 · 12:31 pm

    Die Bahn hat inzwischen das dritte Inkassobüro eingeschaltet, um die Forderung einzutreiben. Ich zahle nicht!

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