17. November 2009

Heinz-Peter Tjaden vs Peter Hahne: Diese Kolumne auswendig lernen?

von Heinz-Peter Tjaden

Nicht einmal die Axt in der Redaktion würde uns den Peter Hahne ersparen. Der macht sich in seiner jüngsten Kolumne Gedanken „Über Gedichte und das Auswendiglernen“ und schiebt erst einmal den Regisseur Klaus Maria Brandauer mit diesem Zitat vor: „Ich bin für Schillers ´Glocke´ als Paukstoff in der Schule, und zwar alle 30 Strophen.“

Dennoch jubeln die Kinder in Lübeck, in Hamburg, Köln und auch in Passau, sogar in der Schillerstadt Marbach kennt die kindliche Begeisterung keine Grenzen, denn: Peter Hahne ist ebenso wenig Lehrer geworden wie Klaus Maria Brandauer.

Das erspart den Kleinen Sätze, die den „Bild am Sonntag“-Lesern zugemutet werden. Beispiele gefällig? Also dann: „Meine Mutter kann das noch, dieses eherne Gedicht ´Fest gemauert in der Erden…´, obwohl sie kein Gymnasium besucht hat.“ „Bei mir reichte es nur noch für die 23 Strophen von Schillers Ballade ´Die Kraniche des Ibykus´, die wir genauso wie Goethes ´Erlkönig´ lesen mussten.“

Das reicht eigentlich, wenn Peter Hahne nicht auch noch zugeben würde, dass er das „sture Pauken als sinnlose Qual empfunden“ hat. Andererseits sei er aber auch fasziniert gewesen. Von seinem Lehrer. Denn der habe die Auffassung vertreten, dass „Auswendiglernen Bildung im umfassenden Sinn ist, also auch den Geist schult und den Horizont erweitert.“

Politikerinnen und Politiker werden das gern lesen, die halten viele auswendig gelernte Reden, sind sich bislang möglicherweise aber noch nicht darüber im Klaren gewesen, dass sie auf diese Weise ihren Geist schulen und zu immer weiteren Horizonten aufbrechen.

Die Enkelgeneration kann da einfach nicht mehr mithalten. Meint Peter Hahne. Sogar am Sterbebett hinken sie hinterher. Schreibt der Bild-am-Sonntag-Kolumnist: „Es hat schon etwas Bewegendes, wenn Sterbende den 23. Psalm oder das Vaterunser murmeln können, während die Enkel ratlos dabeisitzen. Dieses Lebens-Wissen ist eben mehr als die Micky-Maus-Sprache vom Chatten oder Simsen.“

Vom hohen Ross kommt dieser Mann einfach nicht mehr herunter. Obwohl er weniger auswendig gelernt hat als seine Mutter. Der Herr mag zwar Peter Hahnes Hirte sein, aber die anderen Schafe sind ihm meistens irgendwie zu blöd. Ob er zufrieden wäre, wenn wir den Schlusssatz seiner aktuellen Kolumne auswendig lernen würden? Der lautet: „Wir machen unsere Kinder arm, wenn wir sie um den reichen Schatz dieser inneren Werte bringen.“

So ist es, so soll es nicht bleiben?

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Kategorie Glocal, Media, Politics · Autor Heinz-Peter Tjaden · Keine Kommentare


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