Blonde ‘Ärsche’ in Aachen
{4}Letzte Woche Dienstag kam die Müllabfuhr. So wie jeden Dienstag. Doch letzte Woche Dienstag klingelte auch ein Mensch von den Stadtwerken. Wir saßen gerade am Mittagstisch. Weil offenbar niemand sonst aufdrückte, erbarmte ich mich. Ich lebe also in einem Haus, in dem 12 Mietsparteien Unterschlupf finden. Einige davon wohnen zur Miete, so wie wir, andere sind Eigentümer. Es gibt zudem einen Hausverwalter.
Vor Wochen begab es sich, dass ich Einkäufe aus dem Auto in die Wohnung trug. Gleichzeitig waren aber auch Mieterinnen im Haus unterwegs, die wie es schien, Anstalten machten auszuziehen. Die blonden Damen waren fertig mit ihren Arbeiten und schlossen die Tür, gingen zurück in die Wohnung. Kein Problem dachte ich, schließe die Tür auf und schleppe weiter die Einkäufe in die Bude. Beim letzten Mal schloss ich auch das Auto direkt ab, nahm etwas mehr unter den Arm und in die Hände, damit ich nicht noch ein weiteres Mal laufen müsste. Wenn man aus dem Hauseingang spaziert, wie die blonden Damen es taten, hätte man mich sehen können. Aber man hätte sich auch einfach daran erinnern können, dass man selbst die Tür zugemacht hatte und jemand anderer sie wieder aufgemacht haben musste. Nichts von alledem geschah. Ich stand also auf dem Treppenabsatz, schwe bepackt, und konnte mit ansehen, wie mir die Haustür vor der Nase zufiel und die beiden Damen sich kurz umdrehten, “Oh” sagten, dämlich in der Gegend herumstarrten und dann schließlich weiter zu ihrem Umzugswagen gingen. Die eine war gerade dabei ihren Haustürschlüssel zu verstauen, das hörte man am Klimpern. Ich rief unüberhörbar “Danke!”, damit auch die hohlste Hülsenfrucht endlich verstand. Es half nichts. Ich musste alles kompliziert absetzen, meinen Schlüssel rauskramen, den Türstopper erneut unter der Tür festklemmen und dann die Einkäufe wieder unter den Arm klemmen.
In derselben Woche dann inserierte ich auf einem Onlineportal für Studenten, dass wir eine Waschmaschine abzugeben hätten. Jemand kam sie sich angucken und nahm sie mit. Ich half ihm beim Tragen und wunderte mich dann, dass die Tür offen stand. Ich sprach mit mir selbst “Oh, da muss aber jemand die Tür offen gelassen haben…” Aus dem Keller schallte es blond… “Sie” war mit ihrem Fahrrad zugange. Einem, wie man es eher selten sieht, weil die meisten Studenten (sie ist auf jeden Fall einer) eher mit billigen Rädern rumfahren, weil auch in der Kaiserstadt die Moral verfällt und Leute gerne Sachbeschädigung begehen oder sogar allzu teure Fahrräder klauen. Falls jemand ein teures Rad sucht, das wahrscheinlich von Papa gesponsort wurde, in dem Keller des Hauses steht auf jeden Fall eines. – Ich hätte die Haustür zufallen lassen können und sie mit ihrem Drahtesel im Flur fuhrwerken gewusst. Ich hab es nicht getan.
Kommen wir zurück zu letzter Woche Dienstag. Ich ging mit dem Herrn von den Stadtwerken in den Keller. Die Müllabfuhr hatte die Tonnen kreuz und quer gestellt. Daneben befand sich eine große blaute Tüte von Ikea voll mit Kartonagen, und ein großer Karton in den weitere Kartons gesteckt waren. Ich stellte die Tonnen zusammen und die überflüssige Pappe richtig zur Seite. Kurz hatte ich überlegt, sie im Hausflur zu drapieren, damit “die” Verursacherin tunlichst drüber stolpern würde. Heute dann, bzw. gestern ja schon, war’s wieder Dienstag, wieder war die Müllabfuhr da. Aber auch ein Brief an alle Parteien von der Hausverwaltung, mit der höflichen Bitte doch die Kartonagen durch den Verursacher im Sinn Aller nicht offen rumstehen zu lassen, sondern in die Papiertonnen zu packen, und zwar zerkleinert. Über den Papiertonnen hängt im übrigen ein Hinweis, schon seit Jahr und Tag, dass man den Papiermüll zerkleinern möge. Eine Woche also standen die IKEA-Karton und die Umverpackung eines nagelneuen Bürostuhls sowie eines Flachbildfernsehers im Keller herum, bis sich die blonden Verursacherinnen mal einfallen ließen, sie eventuell doch in die Tonnen zu stecken. Allerdings haben sie sie nicht zerkleinert, sondern in vollster Größe reingestopft. So wie sie es immer schon getan haben. Erst die eine, nun auch ihre Freundin, die dazu gezogen ist, weil einer aus der WG ausgzeogen ist. Ergebnis heute? – 3 von 4 Papiertonnen, die eigentlich für 14 Tage oder waren es sogar 21… ausreichen müssen, sind bereits zugestopft.
Bei IKEA kann man billig einkaufen, aber doch auch viel Geld lassen. Die Aufschriften auf den Kartons lassen den Schluss zu, dass jemand viel Geld ausgegeben hat. Und weil wir hier schon über ein Jahr wohnen und zumindest das eine Blondchen auch einige Zeit schon, wissen wir, dass sie einen Schuhtick hat. Zwischen den Möbelverpackungen der neuen WG-Partnerin finden sich nun dann auch Schuhverpackungen von Cinderella.nl – 100 Euro sollen die Schuhe gekostet haben. Man kann sich denken, was die Möbel gekostet haben. Warum ich das so genau weiß? Nun, weil ich heute unseren Papiermüll herunter gebracht habe, und vor dem Rätsel stand, wie ich den überhaupt noch unterkriege. Nicht zum ersten Mal, dass wir Schuhkartons fanden und nicht zum letzten Mal, dass die Dame(n) zu faul sein wird, den Papiermüll zu zerkleinern, damit auch andere noch was von der Tonne haben.
Ich finde es ein Unding, dass manche Leute sich einen feuchten Kehricht um andere kümmern. An unserer Haustür hängt auch ein Hinweis mit der Bitte, diese nach 22 Uhr abzuschließen. Als vor 3 Tagen Blond und Blonder Besuch erhielten, konnte ich um 2 Uhr in der Früh aus meinem Büro das zum Flur hin angrenzt (ich bin Nachtmensch) hören, wie sich B&B von Dolce und Gabana verabschiedeten. Wohlwissend, dass es 2 Uhr in der Früh war und B&B an ihrer Wohnungstür verharrten und D&G drei Etagen tiefer an der Haustür standen. Man versicherte sich gegenseitig, dass die Haustür auch offen war und bis auf das Zufallen der Haustür hörte man dann nichts mehr. Wenn wir Besuch empfangen, der spät wegfährt, bringen wir ihn zur Haustür uns schließen hinter ihm ab. Aber es gibt wohl auch andere Leute, die alles dem Zufall überlassen. Wohlgemerkt hatten wir an unserer Adresse diesen Sommer ein Mal die Scheiben zur Garageneinfahrt eingeworfen und ein Mal im Februar auch die Haustür eingetreten, weil jemand versuchte, sich Zugang zu verschaffen. Seinerzeit war die Haustür abgeschlossen, oft ist sie es nicht, weil manche Leute einfach zu bequem sind. Zu bequem sind die Paar Treppenstufen zu gehen, zu bequem sind ihren Papiermüll richtig unterzubringen und auch, ihn zu zerkleinern, damit nicht eine Kartonage das ganze Volumen der Papiertonne füllt. Aber asozial im soziologischen Verständnis ist auch die Tatsache, dass eine Mietpartei überhaupt hingeht und für die restlichen 11 dann den ganzen Papiermüll für die nächsten 2, 3 Wochen blockiert. Nur Dumm & Dümmer… Pardon Blond & Blonder gefallen sich in dieser Rolle.
Wenn die Hausverwaltung noch Mal vor so einem unlösbaren Problem für die Allgemeinheit steht wird es bestimmt genug sachdienliche Hinweise zur Ergreifung der Schmarotzer geben. Weil freundlich bin ich, Geduld hab ich auch, aber ich muss nicht immer zurückstecken, weil andere Leute sich denken – nach ihnen die Sintflut. Da kann man getrost auch mal nen Staudamm auspacken und die Grazien auflaufen lassen, die einem zuletzt so schön die Tür vor der Nase haben zufallen lassen.
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Tags Aachen, blond, mieter, Studenten
Kategorie Glocal · Autor Alexander Trust · 4 Kommentare

December 16, 2009 · 7:22 am
ohne ownage report fehlt dem artikel definitiv was, ansonsten hört sich das ganze so an, als ob da jemand alt wird ^^
December 16, 2009 · 8:31 am
Und so steckt in jedem von uns doch ein kleiner Blockwart. Aber ich kanns verstehen!
December 16, 2009 · 10:23 am
Ein Blockwart regt sich nicht im halbwegs Stillen auf, sondern greift aktiv ins Geschehen ein, versucht den unsozialen Mitbürger zu erziehen. Gerne auch mal hintenrum, wenn es ein feiges Exemplar ist.
Als mit blondem Haupthaar gesegneter störte mich bei diesem Artikel mehr die Bemühung des dümmlichen Haarfarben-Klischees.
Das Altpapierproblem ist bei mir im Haus übrigens ein ausschliesslich Weibliches: die Männer kommen i.d.R. mit bereits zerkleinerten Kartons an, oder zerreissen sie an der Tonne. Fast alle Frauen stopfen die Kartons am Stück in die Tonne.
December 16, 2009 · 2:38 pm
Na ich glaub mal gerne, dass den Blonden das stört, aber hey, ich bin selbst dunkelblond… und es gibt nun Mal Situationen, die Klischees erfordern.