3. June 2010

Neuapostolische Kirche ändert Glaubensartikel

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von Heinz-Peter Tjaden

Morgen bekommen die Gemeindevorsteher der Neuapostolischen Kirche (NAK) Post von ihrem Kirchenpräsidenten Wilhelm Leber aus Zürich. Im Briefumschlag: ein Schreiben, das am Sonntag verlesen werden soll, außerdem geänderte Glaubensartikel. Die werden anschließend in den Kirchen ausgehängt. Veröffentlicht werden sie am gleichen Tage auch im Internet. Im August bekommen die Amtsträger schriftliche Erläuterungen der neuen Inhalte, in der NAK-Zeitschrift “Unsere Familie” erscheinen im August, September und Oktober entsprechende Artikel.

Wilhelm Leber hofft zwar, dass sich der Diskussionsbedarf in Grenzen halten wird, andernfalls werde eine mail-Adresse eingerichtet, heißt es in einer Vorabmitteilung: “Die eingehenden Fragen werden anschließend gebündelt und von der zuständigen Projektgruppe beantwortet. Ich bitte um Verständnis, dass eine individuelle Beantwortung aus Kapazitätsgründen nicht möglich ist. Stattdessen werden die Fragen und Antworten ab Juli 2010 im Internet veröffentlicht.”

Damit schlägt die NAK erneut einen falschen Kommunikationsweg ein, meint dazu Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) und fügt hinzu: “Natürlich werde ich mir am Sonntag die überarbeiteten Glaubensartikel im Internet anschauen, aber darauf freue ich mich nicht wirklich.”

Das Glaubensgebäude der Neuapostolischen Kirche ruht auf zehn Glaubensartikeln, grundlegende Überzeugungen leiten sich aus dem vierten Glaubensartikel ab: “Ich glaube, dass der Herr Jesus seine Kirche durch lebende Apostel regiert bis zu seinem Wiederkommen, dass er seine Apostel gesendet hat und noch sendet mit dem Auftrag, zu lehren, in seinem Namen Sünden zu vergeben und mit Wasser und dem Heiligen Geist zu taufen.”

Die Wassertaufe der evangelischen und der katholischen Kirche hat die NAK zwar inzwischen anerkannt, NAK-Führungskräfte suchen die Diskussion mit anderen Kirchen, aber am Ämterverständnis  der NAK scheiden sich stets die Geister. Das sieht so aus: “Ich glaube, dass sämtliche Ämter in der Kirche Christi nur von Aposteln erwählt und in ihr Amt eingesetzt werden…”

Daran wird in der NAK wohl kaum jemand rütteln. Sonst käme das Glaubensgebäude ins Rutschen. Diese Gefahr besteht auch, wenn den NAK-Mitgliedern die im neunten Glaubensartikel verankerte Sonderrolle genommen wird. Die sieht so aus: Eines Tages kommt Jesus wieder, feiert mit NAK-Mitgliedern Hochzeit im Himmel und errichtet anschließend mit ihnen als “Könige und Priester” auf Erden ein “Friedensreich”, das merkwürdigerweise aber nicht von Dauer ist. Nach “Abschluss des Friedensreiches” werden alle anderen vor das Jüngste Gericht gestellt.

Was also kann die Neuapostolische Kirche überhaupt ändern? Diese Frage wird am Sonntag beantwortet.

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Kategorie Glocal · Autor Heinz-Peter Tjaden · 1 Kommentar


Ein Kommentar

  1. Kommentar von Wilfried Lack
    June 7, 2010 · 11:43 pm

    Wieso “merkwürdigerweise nicht von Dauer”, das Friedensreich? Das hört sich an, als ob die NAK die Offenarung des Johannes geschrieben hätte.
    So merkwürdig ist das also nicht. Es entspricht, wie auch andere in Anführungszeichen gesetzte Aussagen, biblischer Lehre.
    Siehe auch Karl Baral, HANDBUCH DER BIBLISCHEN GLAUBENSLEHRE, Hänssler-Bibelwissen,1994
    ISBN 3-7751-2058-0
    Karl Baral ist Pfarrer der Evang. Landeskirche Württemberg.

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