Veröffentlicht am 1. Juni 2012 von Alexander Trust

Nach Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und weiteren Politikern, schwebt nun das Plagiat-Schwert über der Bildungsministerin Annette Schavan. Der CDU-Politikerin wird vorgeworfen, sich auf mehreren Seiten ihrer Doktorarbeit “Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung” fremder Quellen bedient zu haben.
Die neue Plagiate-Plattform “schavanplag” listet eine Reihe von Verstößen auf. Bislang sind 67 Fälle in der 335 Seiten umfassenden Doktorarbeit gefunden worden. Kürzlich wurde bekannt, dass sich Frau Dr. Schavan auch bei eigenen bereits veröffentlichten Quellen bedient haben soll, ohne diese ordnungsgemäß als Zitate zu kennzeichnen.
Eine neue Kategorie an Plagiaten wurde kürzlich entdeckt: Die Bildungsministerin soll nicht nur fremde Quellen plagiiert haben, sondern bei einigen Thesen einfach Wörter ausgetauscht und damit teilweise den Sinn der Aussagen verfälscht haben, um nicht sogar davon zu sprechen sinnlos werden lassen. ((Vgl. Heise.))
Unter anderem soll Schavan eine These Niklas Luhmanns übernommen haben und dabei den Begriff der “Konstitution” mit dem der “Konsistenz” ersetzt haben. Im Original-Text Luhmanns heißt es
“Im Bereich der sozialen Bedingungen der Konstitution von Ich-Identität kann man heute auf umfangreiche [...] Forschungen über Interaktionssysteme zurückgreifen.”
Niklas Luhmann (Hervorh. d.Red.)
Frau Dr. Schavan änderte den Satz Luhmanns in folgenden um
“Über soziale Bedingungen zur Konsistenz von Ich-Identität lassen umfangreiche Forschungen über Interaktionssysteme neue Schlüsse zu.”
Annette Schavan (Hervorh. d.Red.)
Auch auf anderen Seiten ihrer Doktorarbeit soll Schavan Quellen einfach umformuliert haben – “Tendenz” wurde bspw. mit “Instanz” ausgetauscht, aus “aktuell” wurde “akut”. Aus dem linguistischen Terminus “Reflexivität” wurde eine “Reflexion”. Die Universität Düsseldorf prüft derzeit die Arbeit der Bildungsministerin, die seinerzeit mit einem magna cum laude (“sehr gut”) bewertet wurde. Aufgrund von geisteswissenschaftlicher Exzellenz wurde Frau Dr. Schavan ferner 2008 zur Honorarprofessorin berufen.
Annette Schavan, CDU, Dissertation, Niklas Luhmann, Plagiat
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