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News: 13. November 2012,

PC ist PC, ist PC und der Jörg aus Zucker: Phänomen vermittelte Kommunikation

Minecraft Minecraft

Ich formulierte eine News-Meldung zum Erreichen der Marke von 8 Millionen verkaufter PC-Versionen von Minecraft. Einer der Leser bei Macnotes kommentierte daraufhin, dass mit PC im Angelsächsischen auch Mac gemeint sei.

Jörg: Naja – er schreibt “PC” – das ist im englischen kein unbedingtes Synonym für Windows-PC, sondern “keine Konsole”. Sprich, damit sind auch Macs und Linux Rechner gemeint (ist ja auch alles Java).

Während er im Fall von Minecraft vielleicht sogar Recht hat, gilt das allerdings nicht grundsätzlich, so zumindest meine Meinung. Ich bat ihn daraufhin, seine Meinung zu belegen und gab zu, dass er speziell in dieser Frage wohl Recht habe, man das allerdings nicht verallgemeinern könne. Warum ich das glaube, erläuterte ich dann ebenfalls in meinem Kommentar.

Alexander Trust: Das ist eine Behauptung deinerseits, die du dann auch belegen müsstest. Ich teile deine Idee, wenn es um den Java-Client geht, und vielleicht ist sogar Minecraft ein Spiel, wo man dies über einen Kamm scheren könnte.
Nur selbst im Rahmen bspw. der Humble Indie Bundles wird sogar absichtlich zwischen den Plattformen unterschieden. Steamplay-Versionen von Spielen sind für Mac und PC und eben nicht für PC only.
Zu Beginn der Mac-Ära war die Unterscheidung auch wegen der unterschiedlichen Architektur sehr groß, sie wurde dann mit der Zeit kleiner, hat aber in der öffentlichen Wahrnehmung auch durch die gegenseitig veranlassten Werbespots à la “I’m a Mac” and “I’m a PC” vor ein paar Jahren wieder deutlich mehr an Fahrt gewonnen. Und die Spots kamen nicht aus Deutschland.
Wenn man nur den Games-Bereich anschaut, dann kann ich aber deine Einschätzung grundsätzlich eher nicht teilen. Man sagt Mac, wenn man Mac meint. Microsoft hat extra sein Label Games for Windows eingeführt und Windows-Spiele ziert das Emblem “PC DVD-ROM”. Käufer dieser Versionen können die PC-Games “nur” auf Windows-Rechnern spielen. Der Mac als Spieleplattform ist selbst heute eher unterdurchschnittlich vertreten. Die großen Action-Blockbuster kommen fast nie zeitgleich heraus, von manchen Games gibt es gar keine Mac-Version. Es ist nur wenig über Verkaufszahlen für andere Plattformen bekannt, oftmals auch deswegen, weil sie insgesamt recht mau ausfallen. Ein Landwirtschafts-Simulator 2011 bspw., der mehrere Hunderttausend Einheiten für Windows PC allein in Deutschland erzielte, hat nur eine niedrige fünfstellige Ziffer bei der Mac-Klientel in Deutschland erreicht.”

Da ich mich im Rahmen des Studiums auch mit vermittelter Kommunikation über das Internet beschäftigt habe, weiß ich, dass Chats oder Kommentare wegen des Fernbleibens der direkten Kommunikation, bei der Gestik und Mimik nicht helfen, das Gesagte zu verpacken, es auf die Vorbedingungen beim Empfänger ankommt. Bei diesem spielt die Psychologie dann eine wichtige Rolle. Ist er ein Pessimist, wird er Informationen grundsätzlich negativ interpretieren, oder umgekehrt.

Das ist allerdings ein Thema, das für mich mit Medienkompetenz zu tun hat. Leute sollten grundsätzlich gewisse Vokabeln als unverfänglich interpretieren können, weil sie sonst tatsächlich in jedem Gespräch anecken und irgendetwas Böses vermuten. So kam es denn auch. Jörg interpretierte meine Bitte, seine Meinung zu begründen als Aggression und riet mir gleich auch noch, ich solle mich abregen. Eine sehr fragwürdige Interpretation meiner Worte durch ihn.

Jörg: Ui, gleich so aggressiv. Ok, Beleg: geht man in den Minecraft Store, sieht man dort Minecraft für XBox, für mobiles (iOS und Android) und eben die PC Premium. Und die umfässt alles, was klassischer PC ist (egal, welches OS). Ich kann mich auch nicht erinnern, eine spezielle Mac-Version gekauft zu haben. Just sayin’. Reg Dich ab.

Menschlich gesprochen, müsste man also annehmen, Jörg sei aus Zucker, weil er die Aufforderung, eine Begründung anzugeben als Aggression empfindet.

Ich würde aber behaupten, dass diese Art der Ausprägung von Medienkompetenz, wie wir sie bei Jörg vorfinden, kein Einzelfall ist. Sie begegnet mir seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit und ich kann mich sicherlich auch selbst nicht davon freisprechen, schon Worte eines Gegenübers, die ich nur las und nicht hörte, falsch interpretiert zu haben. Ein Patentrezept, wie man in solchen Situationen Aufklärung betreiben kann, damit die Leute grundsätzlich eine positivere Grundhaltung in Internet-Diskussionen einnehmen, kann man ohne Zugriff auf die reale Welt hinter der virtuellen wohl nicht erreichen.

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